Mofa Zylinder

Mofa Zylinder wechseln, pruefen und tunen - Werkstatt-Praxis

Vom Drossel-Zylinder zum Tuning-Topf - was geht, was bricht, was haelt



Mofa Zylinder - das Herz vom kleinen Zweitakter



Der Zylinder ist beim Mofa das Bauteil, an dem sich alles entscheidet: Leistung, Standfestigkeit, Verbrauch und am Ende auch die Legalitaet. Wir schrauben seit 2003 an Simson, Hercules, Kreidler und Co. und sehen dabei immer wieder die gleichen Fehler - falsche Dichtungen, vergessener Quetschspalt, ein zu magerer Vergaser nach dem Umbau. Diese Seite ist der Werkstatt-Leitfaden dazu. Wer tiefer ins Thema einsteigen will, findet im Bereich link die allgemeinen Grundlagen, hier geht es speziell um den kleinen Bruder: den Mofa-Zylinder.

Was ist ein Mofa-Zylinder eigentlich?



Ein echtes Mofa ist in Deutschland auf 25 km/h Bauartgeschwindigkeit beschraenkt und darf maximal 50 ccm Hubraum haben. Damit das funktioniert, sind die Original-Zylinder ab Werk gedrosselt: kleine Ueberstroemkanaele, ein enger Einlass, ein restriktiver Auslass und oft eine zusaetzliche Drossel im Ansaug- oder Auspuffbereich. Der gleiche Motorblock kann in der Mokick-Version (45 km/h, 50 ccm) deutlich offener atmen, und in der Rollerklasse mit 50 km/h nochmal anders. Wer einen Mofa-Zylinder in der Hand haelt, sieht das sofort: weniger Kanalquerschnitt, kuerzere Steueroeffnungen, manchmal sogar gegossene Stege in den Ueberstroemern.

Der Unterschied zum Roller-Zylinder liegt also nicht im Material, sondern in den link und Querschnitten. Genau das ist der Hebel, an dem Tuning ansetzt - und genau das ist auch der Punkt, an dem aus dem Mofa rechtlich etwas anderes wird.

Zylinder-Tausch Schritt fuer Schritt



Der Wechsel ist bei den meisten klassischen Mofas in zwei Stunden zu schaffen, wenn man sauber arbeitet. Die Reihenfolge:


  • Vorbereitung: Benzinhahn zu, Tank ggf. ab, Vergaser loesen, Auspuffkruemmer abschrauben, Zuendkerze raus, Kerzenstecker zur Seite.

  • Kopf und Zylinder runter: Zylinderkopfmuttern ueber Kreuz loesen. Kopf abnehmen, Fussdichtung noch nicht zerstoeren - sie verraet die alte Dichtungsstaerke.

  • Kolben sichern: Sauberen Lappen in den Kurbelraum stopfen, damit kein Kolbenbolzen-Sicherungsring nach unten faellt. Sicherungsringe raus, Bolzen rausdruecken (nicht haemmern), Kolben abnehmen.

  • Reinigen: Dichtflaechen mit Messingbuerste, nie mit Schraubendreher abkratzen. Stehbolzen pruefen, ggf. nachziehen oder ersetzen.

  • Neuen Kolben montieren: Pfeil oder Markierung Richtung Auslass. Neue Sicherungsringe immer Pflicht. Mehr dazu unter link.

  • Zylinder aufsetzen: Kolbenringe mit den Fingern in die Nuten druecken, Zylinder vorsichtig drueberschieben. Niemals mit Gewalt.

  • Quetschspalt pruefen (siehe naechster Abschnitt), dann Kopf drauf, Muttern ueber Kreuz mit dem korrekten Drehmoment anziehen - bei Simson typisch 6-8 Nm (Werkstatthandbuch DDR-Original 7 Nm), bei Hercules Sachs 10-12 Nm. Wer beim Simson auf 13 Nm geht, riskiert abgerissene Stehbolzen - der Wert kursiert in Foren, ist aber falsch.



Quetschspalt und Verdichtung - die zwei Zahlen, die zaehlen



Der Quetschspalt ist der Abstand zwischen Kolbenoberkante (am OT) und Zylinderkopf im aeusseren Brennraumbereich. Gemessen wird mit einem Stueck Loetzinn (1,5-2 mm), das man durch das Kerzenloch quer ueber den Kolben legt und den Motor einmal sauber durchdreht. Das plattgedrueckte Loetzinn wird mit dem Messschieber gemessen.


  • Praxiswerte 2T-Mofa: 0,7 bis 1,2 mm Quetschspalt sind sinnvoll. Unter 0,6 mm wird es im warmen Betrieb gefaehrlich (Kolben beruehrt den Kopf), ueber 1,3 mm fehlt Verwirbelung und damit Leistung.

  • Verdichtung: Original Mofa meist 1:8 bis 1:9, Tuning-Zylinder typisch 1:10 bis 1:13. Hoeher geht nur mit Super Plus und exakt eingestellter link, sonst klingelt es.

  • Einstellen: Quetschspalt korrigiert man ueber die Staerke der Fussdichtung. Duenner = weniger Spalt + mehr Verdichtung. Dicker = umgekehrt. Erst messen, dann bestellen.



Tuning-Zylinder fuer die Klassiker



Simson S50, S51, Schwalbe



Die beliebteste Baustelle in unserer Werkstatt. Original sind 50 ccm verbaut, getunte Saetze gibt es als 60 ccm und 63 ccm aus Guss oder Alu mit Nikasil-Beschichtung. ZT-Tuning aus Zella-Mehlis liefert hier die hochwertigsten Saetze fuer den Alltag - langlebig, gut abgestimmt, faire Ersatzteilversorgung. Wer den Klassiker etwas sportlicher mag, greift zum Polini-Sport-Satz.

Hercules Prima, Sachs 50



Hier dominiert Polini mit dem 70er Sport-Zylinder, Athena bietet Alternativen. Wichtig: Beim Wechsel auf groesseren Hubraum muss meistens die Kupplung verstaerkt und der Vergaser von 12 auf 14-17 mm vergroessert werden. Sonst verhungert der Motor.

Kreidler Florett



Der Klassiker schlechthin. Original 50 ccm, beliebte Umbauten auf 60 ccm Stage6 oder Polini. Hier ist die Auswahl an Original-Zylindern duenn, gebrauchte Koepfe und Kolben sind Gold wert - vor dem Verschrotten lieber zweimal nachdenken.

Universalisten



Fuer AM-Klasse-Roller und Mokicks ist Stage6 mit seinen Sport-Pro- und R/T-Saetzen ein verlaesslicher Partner - gute Qualitaet bei moderaten Preisen.

Die haeufigsten Fehler aus der Werkstatt




  • Falsche Fussdichtungsstaerke: Wer die alte 0,5 mm Dichtung gegen 1,0 mm tauscht, ohne es zu merken, verliert Verdichtung und verschiebt die Steuerzeiten. Folge: lahm, hoher Verbrauch.

  • Kolbenfresser durch zu mageres Gemisch: Neuer Zylinder atmet besser, alter Vergaser bleibt - die Hauptduese muss meist 5 bis 15 Punkt groesser. Pflichtlektuere: link.

  • Klemmer beim Einfahren: Volllast in den ersten 200 km ist der Killer. Wir empfehlen das Vorgehen aus link: ersten Tank 1:33 Gemisch, hoechstens halbe Drehzahl, immer wieder Lastwechsel.

  • Auspuffstau: Originalauspuff am Tuning-Zylinder ist meistens der Flaschenhals. Ein passender Resonanz- oder Sportauspuff bringt oft mehr als der Zylinder selbst.

  • Vergessene Sicherungsringe: Klingt banal, kostet den ganzen Motor.



Was nach dem Zylinder-Tausch dran ist



Ein neuer Zylinder ist nie ein Einzelteil-Tausch. Nach dem Einbau gehoert dazu: Vergaser-Beduesung kontrollieren, Zuendzeitpunkt pruefen, Auspuff bewerten, Luftfilter freigaengig halten, sauber einfahren. Wer alle Schritte zusammen denken will, findet im Bereich link den grossen Ueberblick.

Legalitaet - das kleingedruckte Kapitel



Mit dem Wechsel auf einen Tuning-Zylinder verliert ein Mofa seine Betriebserlaubnis. Es ist dann rechtlich kein Mofa mehr, sondern ein zulassungspflichtiges Kleinkraftrad oder Leichtkraftrad - je nach Hubraum und Bauartgeschwindigkeit. Konkret heisst das: Versicherungskennzeichen oder Zulassung, mindestens AM-Fuehrerschein (ab 15 Jahren), und auf oeffentlichen Strassen ist der Umbau nur mit Einzelabnahme legal. Wer das ignoriert, riskiert bei Kontrolle den Versicherungsschutz, Punkte und Strafanzeige. Wir empfehlen klar: entweder den legalen Weg gehen oder den Umbau auf Privatgelaende beschraenken.

Fazit aus der Werkstatt



Der Zylindertausch am Mofa ist eine der dankbarsten Schraubereien ueberhaupt - kein anderes Bauteil macht so viel aus. Wer sauber misst, die richtigen Dichtungen waehlt, den Vergaser nachzieht und geduldig einfaehrt, hat einen Motor, der zehntausende Kilometer haelt. Wer pfuscht, hat in 200 km einen Fresser. Das Werkzeug dafuer ist ueberschaubar, die Theorie passt auf zwei Seiten - und genau die haben wir hier.

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