Vergaser einstellen

Vergaser einstellen

Vergaser einstellen am Moped, Mofa und Roller - wie geht das?



Diese Frage stellt sich immer wieder. "Wie stelle ich meinen Vergaser richtig ein"? Es wird sozusagen ein HOW-TO Vergasereinstellen gesucht.




Die Vergasereinstellung entscheidet über das Leerlaufverhalten, Leerlaufdrehzahl, Spritverbrauch, Abgasverhalten, Durchzug und Endgeschwindigkeit. Eingestellt wird das Verhältnis zwischen Luft und Benzin sowie die Absolutmenge.

Unterscheiden muß man prinzipiell zwischen Einstellungen an der Hauptdüse selbst und den weiteren Teilen wie Leerlauf, Gemisch (auch Gemischregulierschraube) und Düsennadel. Auf obigem Bild kann man den Vergaser eines 50er Rollers sehen. Zentral befindet sich die Schraube zur Leerlaufeinstellung, auf der linken Seite des Vergasers (also zylinderseitig) eine Leerlaufgemischregulierschraube.

Leerlauf und Gemisch:
Die Leerlaufschraube (meist seitlich in der Mitte des Vergasers) nehmen wir uns als erstes vor. Wirkt die Leerlaufschraube direkt auf den Schieber (so wie auf dem Bild oben) - dann zum reindrehen der Leerlaufschraube immer vorher etwas(!) Gasgeben und dann halten, so dass der Schieber nicht auf der Schraubenspitze aufsitzt. Das ist bei machen Vergasern sinnvoll, damit sich kein Grat am Schieber selbst bildet. Das Herausdrehen ist dagegen unkritisch. Also: Etwas Gas geben und die Schraube einfach einmal ein Stück reindrehen. Wenn der Motor dann im Stand (ohne Gas) aus geht, drehen wir die Schraube noch etwas weiter rein (im Uhrzeigersinn), wenn der Leerlauf zu hoch ist, drehen wir sie etwas weiter raus.

Die anderen Schraube (evtl sogar zwei) sind für das gemisch im Standgas zuständig. Diese wird zuerst ganz reingedreht und dann drei mal eine halbe Umdrehung heraus (Standardeinstellung bei den meißten Vergasern).

Grundeinstellung:
Es wird also insgesammt 1,5 volle Umdrehungen herausgedreht. Durch den Schlitz laesst sich das mit den drei halben Umdrehungen sehr schoen sehen.

Gemisch feinjustieren:
In die eine Richtung wirds fetter, in die andere magerer. Das ganze beeinflusst hauptsächlich den Leerlauf. Ziel ist es hier, einen möglichst gleichförmigen Rundlauf des Motors im Standgas zu erzielen. Zuvor sollte natuerlich die Drehzahl auf ein vernünftiges niveau eingestellt und der Motor selbst warm gelaufen sein (siehe oben). Ansonsten macht der Choke alles zunichte.

Drehrichtung Gemisch einstellen:
Bei Modellen mit zwei Gemischregulierschrauben verhält es sich folgender maßen: Gemischschraube auf Seite des Luftfilters -> reindrehen = fetteres Gemisch; Gemischschraube auf der Seite des Zylinders -> reindrehen = magereres Gemisch.


Alternativ Gesamteinstellung:
Bei warmem Motor:
Gemischregulierschraube ganz reindrehen (im Uhrzeigersinn); Leerlaufdrehzahl so einstellen, dass der Motor gerade noch läuft. Dann so lang die Gemischregulierschraube herausdrehen, bis die Drehzahl nicht mehr weiter steigt. Danach wieder ein Stück anfetten (paar Grad), um auch bei geändertem Luftdruck, Außentemperatur und Luftfeuchtigkeit ein stabiles Standgas zu erreichen.


Als Ergänzung (und bei zwei Einstellschrauben für das Gemisch) die Beschreibung in Anlehnung an J. Robinson (Buch: Motorradvergaser und Einspritzsysteme) er erklärt das dort recht ausführlich und anschaulich (das Buch kann ich nur empfehlen):

Luftreguliersschraube (Luftfilterseitig = Stromaufwärts):
Sie sitzt stromaufwärts vom Schieber und regelt den Luftsrom in das
Leerlaufsystem des Vergasers. Das Herausdrehen der Schraube (gegen den Uhrzeigersinn) bewirkt ein abmagern des Leerlaufgemischs, da mehr Luft zugeführt wird.

Leerlaufgemisch Einstellschraube (Zylinderseitig = Stromabwärts):
Diese sitzt Stromabwärts vom Schieber betrachtet und regelt die Menge des mit Luft bereits vorgemischten Kraftstoffs, der in das Saugrohr gesaugt wird. Durch herausdrehen der Schraube wird die Gesamtmenge erhöht. Da das Luft-/Kraftstoffgemisch hier bereits festgelegt ist (durch die Leerlaufdüse und die Luftregulierschraube siehe oben) und zusätzlich etwas luft am Vergaserschieber vorbeiströmt, reichert das Herausdrehen das Gemisch an. Ein Beispiel: wenn die Leerlaufdüse und die Leerlauf-/Luftduese ein Luft-/Kraftstoffgemisch von 6:1 liefern und die Strömung am Schieber vorbei beträgt sechs Lufteinheiten, erreicht das Gesamtgemisch ein Verhältnis von 12:1. Wenn das Leerlaufsystem jetzt die doppelte Menge liefert (2:12), beträgt die Gesamtmenge zwei Teile Kraftstoff und 18 Teile Luft, hat also ein Gesamtverhältnis im Saugrohr nach dem Vergaser von 9:1 erreicht.

Hauptdüse:
Die Hauptdüse (HD) selbst befindet sich innerhalb der Schwimmerkammer des Vergasers. Die Wahl der richtigen Düse erfolgt durch ausprobieren;
1. Stufe (grob):
- Ist die Hauptdüse zu groß, läuft der Motor nur wenn er kalt ist oben raus gut, wenn er warm ist geht oben raus gar nichts mehr -> kleinere Düse nehmen
- Ist die Hauptdüse zu klein läuft der Motor mit Choke auch im warmen Zustand besser als ohne Choke.

2. Stufe (mittel):
- kommt bei Vollgas im oberen Drehzahlbereich nichts mehr, ist die Hauptdüse zu groß und das Gemisch zu fett -> kleinere Düse nehmen
- kommt bei Vollgas im unteren und mittleren Drehzahlbereich nichts, ist das Gemisch zu mager -> größere Düse nehmen

3. Stufe (fein):
- zu dunkles Kerzenbild (schwarz): zu fettes gemisch = zu große Düse
- zu helles Kerzenbild (grau / weiß): zu mageres Gemisch = zu kleine Düse

Ist der Vergaser richtig abgestimmt (insbesondere die Hauptdüse) sieht eine Zündkerze so aus:
Kerzengesicht bei optimaler Vergaserabstimmung schräg

Kerzengesicht bei optimaler Vergaserabstimmung oben

Kerzengesicht bei optimaler Vergaserabstimmung seite

Anmerkung: Das ist nur eine sehr grobe Anleitung, um in das Thema ersteinmal einzusteigen. Wichtig ist eine Wartung am ganzen Fahrzeug. Die beschriebenen Symptome können auch stets andere Ursachen haben (Schwarze Kerze = zu viel Öl; keine Vollgasannahme im unteren Drehzahlbereich = zu großer Vergaser; falscher Zündzeitpunkt, Frühzündung verstellt, Tankentlüftung verstopft, Querschnitte des Benzinhahns zu gering, Benzinfilter zu, usw.) Daher unbedingt auch richtig die Zündung und Zündzeitpunkt einstellen

Immer dann, wenn andere Motorkomponenten (Zündzeitpunkt, Luftfilter, Steuerzeiten, Auspuffabstimmung) angepasst werden, ist auch die Vergasereinstellung zu berücksichtigen.