Elektronische Zuendung - CDI statt Kontaktzuendung
Komponenten, Vorteile und Umruestung bei Klassikern
Elektronische Zuendung beim Zweitakter
Die elektronische Zuendung hat die alten Unterbrecher-Kontakt-Systeme bei nahezu allen modernen 2T-Motoren abgeloest. Sie liefert einen kraeftigen, zeitlich exakten Funken ohne Verschleissteile und ist heute Standard - vom AM-Roller bis zum Hochleistungs-Cross.
Was ist elektronische Zuendung?
Sammelbegriff fuer alle kontaktlosen Zuendsysteme. In der Praxis dominieren zwei Varianten:
- CDI (Capacitor Discharge Ignition): Standard bei 2T. Ein Kondensator wird auf hohe Spannung geladen und ueber den Pickup-Impuls schlagartig ueber die Zuendspule entladen. Resultat: sehr kurzer, sehr kraeftiger Funke.
- TCI (Transistor Coil Ignition): Im Pkw-Bereich Standard. Beim 2T-Motorrad selten, weil die hohe Drehzahl CDI-Geschwindigkeit verlangt.
Vergleich zu Kontakt-Zuendung
| Aspekt | Kontakt-Zuendung | CDI |
| Wartung | Kontakt-Abbrand, Spaltmass regelmaessig pruefen | wartungsfrei |
| Zuendzeitpunkt | verstellt sich durch Verschleiss | konstant |
| Hohe Drehzahlen | Aussetzer ab ca. 8000/min | bis 15000/min stabil |
| Funkenstaerke | schwaecher, abhaengig von Spannung | kraeftig, konstant |
| Reparatur | einzelne Komponenten tauschbar | komplette CDI-Box als Ersatz |
Komponenten einer CDI-Anlage
- Pickup (Hallgeber oder Induktiv-Geber): erfasst die Polrad-Position
- CDI-Box: Elektronische Steuerung, beinhaltet Kondensator und Steuerlogik
- Hochspannungs-Spule: transformiert die kurze Kondensatorentladung auf mehrere Kilovolt
- Zuendkerze
- Versorgung: direkt aus Lichtmaschine - meist kein Akku noetig
Vorteile
- Konstanter Zuendzeitpunkt ueber die gesamte Lebensdauer
- Staerkerer Funke = bessere Verbrennung, weniger Aussetzer
- Hohe Drehzahlen ohne Aussetzer moeglich
- Wartungsfrei
- Geringe Stromaufnahme im Stand
Nachteile
- Bei Defekt: CDI-Box komplett tauschen (kann teuer sein)
- Pickup-Ausfall = Funke weg, oft ohne Vorwarnung
- Bei Klassikern erfordert die Umruestung oft Polrad-Tausch
- Empfindlich gegen Spannungsspitzen (z.B. defekter Regler)
Tuning-Aspekt: Programmierbare CDI
Moderne Programmable-CDIs erlauben die Anpassung der Zuendkennlinie nach Drehzahl und Last. Bekannte Anbieter:
- Vape: Komplett-Umruestkits fuer Simson, MZ, Hercules
- MZ-B: programmierbare CDIs fuer DDR-Klassiker
- BUR-CDI: Aftermarket fuer Aerox, Booster, Vespa
Bei Hochleistungs-2T (KTM, Husqvarna, GasGas) ist die serien-CDI bereits mit eigenem Map ausgestattet, das per Werkstatt-Software oder Aftermarket-Mapper anpassbar ist.
Umruestung Klassiker auf CDI
Komplettes Vape-Kit (Polrad + Stator + CDI-Box) ist fuer die meisten klassischen Klein-2T erhaeltlich. Beispiele:
- Simson S51, S70: Vape-Kit mit elektronischer Zuendung und 12V-Lichtmaschine in einem
- Hercules MK: Vape-Konversion stabilisiert den Kaltstart
- MZ ETZ: Vape-CDI ersetzt unzuverlaessige Original-Elektronik
Hinweis: Die Umruestung ist eintragungspflichtig beim TUEV, ein E-Pruefzeichen oder Teilegutachten ist Voraussetzung.
Diagnose CDI-Probleme
Wenn der Funke fehlt:
- Zuendkerze pruefen (rausdrehen, gegen Masse halten, kicken). Funke da? Wenn ja, ist die CDI in Ordnung.
- Kerzenkabel-Widerstand pruefen (Multimeter, sollte unter 10 kOhm liegen)
- Zuendspule-Primaer-Widerstand messen (typisch 0,5-2 Ohm)
- Pickup-Widerstand pruefen (Multimeter am Stecker, typisch 100-500 Ohm)
- Bei allen Tests OK aber kein Funke: CDI-Box gegen bekannt gute tauschen
Mehr zur Diagnose unter Diagnose. Den Zuendzeitpunkt korrekt einstellen ist unter Zuendung einstellen beschrieben. Allgemeine Zuendungs-Theorie unter Zuendung.